Hundert Jahre Wintersport in Windischgarsten
Von den ersten Sprungschanzen am Gunsthang bis zum Weltcup in Hinterstoder: wie aus einer Handvoll Skipioniere unser Verein wurde.
Vor dem Verein 1860 bis 1923
Um 1860 bringen norwegische Studenten den Skilauf in die Alpen. Ihre langen, schmalen Bretter taugen im steilen Gelände wenig, also werden die Ski kürzer und breiter. Matthias Zdarsky aus Lilienfeld entwickelt brauchbare Metallbindungen und eine alpine Fahrweise.
1905
Bei uns in der Pyhrn-Priel-Region fahren zuerst Jäger und Förster Ski, weil sie es im Beruf brauchen. Spital am Pyhrn gründet 1905 die erste Wintersportsektion, 1912 folgt der Sportverein Hinterstoder. Die Pyhrnbahn bringt Gäste zum Schnee ins Garstnertal, Wagner und Tischler bauen Ski, und in der Region entstehen die ersten Sprungschanzen.
1916
Oberst Bilgeri macht den Skilauf zur Massenausbildung in der k. u. k. Armee, später wird daraus ziviler Skiunterricht. Einer der Ausbildner ist der Kaufmann Rudolf Fessl aus Pießling, 1916 Skiinstruktor am Arlberg. Nach dem Krieg bringt er den Skisport nach Pießling, ins Skigebiet Tamberg.
Die Gründung 1922 bis 1930
Nach dem Ersten Weltkrieg boomt der Skilauf, die Firma Fischer beginnt Ski industriell zu fertigen. 1922 entsteht der oberösterreichische Skiverband mit 20 Vereinen und 791 Mitgliedern.
1924
Die Skiriege des deutschvölkischen Turnvereins um Oberlandesgerichtsrat Dr. Erritz und Oberförster Hummelberger tritt dem Skiverband bei. Am Gunsthang entsteht mit Spendengeld die erste Sprungschanze. Im Herbst wird der Wintersportverein angemeldet, und die Hauptversammlung am 7. Oktober 1924 wählt Dr. Erritz zum ersten Obmann. Oberförster Hummelberger stellt den Sportwart.
1926
In den ersten Jahren heißt Wintersport bei uns Springen und Langlauf. Das erste große Sportfest sind die Dreiländermeisterschaften für Steiermark, Salzkammergut und Oberösterreich, die wir 1926 ausrichten.
1930
Franz Kniewasser gewinnt 1927, 1928 und 1929 die Landesmeisterschaft in der Dreierkombination aus Lang-, Tor- und Sprunglauf. 1930 wird er darin Österreichischer Meister. In den Jahren danach nimmt die Politik immer stärker Einfluss auf den Sport und bringt auch unsere Funktionäre in Bedrängnis.
Neubeginn und die Ära Baumschlager 1945 bis 1982
1951
Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt Obmann Enzensömmer unter schwierigen Umständen neu. 1951 richten wir die Österreichischen Meisterschaften nordisch und alpin aus. Eine 80-Meter-Schanze, ein Torlaufhang und eine Riesentorlaufstrecke entstehen in vielen Arbeitseinsätzen, einen Lift gibt es noch nicht. Der ganze Ort soll mitgeholfen haben. Die Presse schreibt von den „Skimeisterschaften des guten Willens“.
1952
Dann kommt die Zeit von Hans und Harald Baumschlager aus Roßleithen. Von 1952 bis 1962 zählen die Brüder zu den besten Rennläufern Oberösterreichs, damals noch für die Union Windischgarsten. Zwischen den Torflaggen geht es immer auch darum, wer der bessere Baumschlager ist. Zusammen holen sie 16 Landesmeistertitel, zwölf davon Harald, der Jüngere.
1961
Als sich die Union aus dem ÖSV-Rennsport zurückzieht, wechseln die Rennläufer zu uns. Harald Baumschlager wird 1961 Obmann, Hans Sportwart, und sie bleiben es 21 Jahre. Ihr Grundsatz gilt bis heute: Der Sport hat keine politische Färbung und steht allen offen. Der Verein schließt sich dem ASVÖ an.
Auf dem Wurbauerkogel gibt es einen Sessellift, auf der Salzastrecke schneesichere Trainingshänge. Große Firmen tragen dort ihre Meisterschaften aus. Das Geld fließt in eine der ersten elektronischen Zeitnehmungen, in ein Start- und Zielhaus und in die Talente der neuen Skihauptschule. Über die Freundschaft der Brüder zu Josef Fischer kommt der Nachwuchs zu Skimaterial. Aus dieser Zeit stammt auch der Wappenlauf, den wir bis heute fahren. Am Wurbauer standen dabei nicht selten über 200 Läuferinnen und Läufer am Start.
Vom Wurbauer auf die Höss 1986 bis heute
Als sich der Winterbetrieb am Wurbauerkogel nicht mehr finanzieren lässt, übersiedeln die Rennstrecken auf die Bärenalm. Es gibt einen Vereinsbus und ein neues WSV-Starthaus. Für den Nachwuchs nützen wir die Almhütte Schroflerreith im Winklerkar mit einem vereinseigenen Skilift.
Auf der Bärenalmpiste in Hinterstoder findet 1986 das erste alpine Weltcuprennen statt, und wir sind mit einer großen Mannschaft in der Organisation dabei. Bei allen Weltcuprennen seither übernehmen WSV-Helferinnen und -Helfer wichtige Aufgaben.
Karl Reisenbichler jun. gewinnt als Trainer und Sportwart besonders viele Rennläuferinnen und Rennläufer für den Verein. Mit österreichischen Meistertiteln und unzähligen Landesmeistertiteln steigt der WSV zum erfolgreichsten Skiverein Oberösterreichs auf. Eine Zeit lang gibt es auch eine Langlauf- und eine Biathlonsektion, die später nach Rosenau abwandern.
Auch die Bärenalmseilbahn hat ein Ablaufdatum. Wir wechseln auf die Hutterer Böden, wo wir das Weltcupzielhaus gemeinsam mit dem Skiklub Hinterstoder für ÖSV-Rennen nützen. Durch die Einsätze von Karl Reisenbichler als Rennleiter bei FIS-Rennen, Downhillwoche und Europacup ist unser Team als Veranstalter weit über Oberösterreich hinaus bekannt.
2024
Was die Brüder Baumschlager begonnen haben, führen Gerhard Graf, Franz Gösweiner und heute Jochen Liesinger mit ihren Teams weiter. Alle Obmänner sagen dasselbe: Möglich war dieser Weg nur durch den unermüdlichen Einsatz vieler Helferinnen und Helfer. 2024 feiern wir 100 Jahre Wintersportverein Windischgarsten.